Auswertung der Präsentation der Direktkandidaten in den 20 Wahlkreisen der Stadt Werl im Werler Anzeiger während der letzten Wochen vor der Kommunalwahl.

Zunächst einmal sei dem Soester Anzeiger gedankt dafür, dass alle Wahlkreiskandidaten sich den Bürgern in der Zeitung vorstellen konnten. Eine gute Tradition.
In den hundert Texten stehen viele unterstützenswerte Wünsche und Ziele.

Konzentriert man sich beim Durchlesen jedoch auf das Thema Finanzen,....

so ergibt schon eine grobe Auswertung ein erschreckendes Bild.

Bei CDU und SPD werden mit keinem Wort das Sanierungsproblem des städtischen Haushalts, die immer schwieriger werdende Haushaltsführung, die schlechte Wirtschaftslage erwähnt.

Bei der CDU gibt es nur 1 Kandidaten (Graf von Brühl), der „Verantwortung im Bereich Finanzen“ übernimmt. Bei der SPD will sich lediglich Herr Frieg „auch dem Sachgebiet Finanzen widmen“ und Herr Esser nennt Finanzpolitik als seinen Schwerpunkt.

Mehr Hinweise auf die äußerst anstrengende Haushaltslage gibt es hier nicht! Direkt Geld kostende Themen werden bei der SPD dagegen 4mal genannt.

Dass die BG mit 8 Kandidaten zur Sanierung aufruft, liegt daran, dass die Haushaltssanierung das derzeit wichtigste Thema für Werl und die BG ist. Auch die Grünen wollen (Herr Nabers) die Haushaltssanierung und halten Großprojekte nicht mehr für realisierbar (H. Kottmann). Die FDP benennt das Problem immerhin mit 4 Kandidaten, hat gleichzeitig aber auch 3mal direkt kostenverursachende Wünsche bei ihren sehr jungen Kandidaten, die möglicherweise die Haushaltslage noch nicht kennen.

Bei dieser Einstellung der Kommunalpolitiker zur Werler Finanzpolitik frage ich mich:

Interessiert die Haushaltslage keinen der Kandidaten oder glauben die Kandidaten, dass das Thema die Bürger nicht interessiert oder – schlimmer noch – nicht interessieren soll?
Sollen sich die Bürger lieber mit Kreuzworträtseln beschäftigen als mit der Frage, wie die Neuschulden gestoppt, die Altschulden reduziert werden können?

Wenn sich für die Lösung der Werler Haushaltsprobleme so wenige Politiker (15,5% insgesamt, ohne die BG nur 9,4%) interessieren, wie gut wird die finanzielle Situation dann in 5 Jahren sein?

In der Zeitung vom 29.7.09 spricht die CDU (Herr Grossmann und Herr Eifler inhaltlich): „Die Anfangsphase der Legislaturperiode wird sicher von schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen begleitet....“ – Die BG ist da realistischer: Die finanziellen Rahmenbedingungen werden für Werl auch noch schwierig sein, wenn beide Herren längst im hohen Rentenalter ist.

Dieter Riewe
Vorsitzender der Bürgergemeinschaft
25. 8. 2009